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Aufgaben der Kammer

Psychologische PsychotherapeutInnen und Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen sind Angehörige eines freien akademischen Heilberufs. Dieser Status wurde nach vielen Jahren berufspolitischer Kämpfe durch das Psychotherapeutengesetz in 1999 erstmals gesetzlich geregelt, und es wurde dadurch eine Gleichstellung unserer Profession mit anderen akademischen Heilberufen erreicht. Angehörige freier Heilberufe sind dem Gemeinwohl verpflichtet, unterliegen in ihrem Handeln einer besonderen ethischen Verantwortung und gehören einer Kammer an.
Im Hamburgischen Kammergesetz für die Heilberufe (HmbKGH) sind die Aufgaben und Zuständigkeiten der Hamburger Heilberufekammern (Ärztekammer, Apothekerkammer, Psychotherapeutenkammer, Tierärztekammer, Zahnärztekammer) beschrieben. Im Rahmen ihrer Selbstverwaltung und auf Grundlage ihrer Satzung gestalten die Kammern eigenständig die konkrete Umsetzung der Aufgaben.

Auf dieser Seite wollen wir die Aufgaben der Psychotherapeutenkammer Hamburg in Anlehnung an die Satzung der Psychotherapeutenkammer Hamburg nach und nach vorstellen und erläutern.

Klicken Sie dazu einfach auf die oben stehenden Überschriften und erfahren Sie, wie die einzelnen Aufgaben in der Psychtotherapeutenkammer ausgestaltet werden.

Die Kammer überwacht die von ihren Mitgliedern gemäß § 27 HmbKGH und gemäß der Berufsordnung zu erfüllenden Berufspflichten.

(Kammersatzung §2, Abs 1)
Die im Hamburgischen Kammergesetz aufgeführten Berufspflichten gelten für die Angehörigen aller Hamburger Heilberufekammern (Ärztekammer, Zahnärztekammer, Tierärztekammer, Apothekerkammer, Psychotherapeutenkammer). Sie werden u.a. in der Berufsordnung der Psychotherapeutenkammer für unseren Berufsstand genauer ausgeführt. Diese Berufsordnung wurde von Kammermitgliedern entwickelt und von der Delegiertenversammlung der Kammer verabschiedet. Sie bildet die ethischen, fachlichen und rechtlichen Anforderungen und Bedingungen unserer psychotherapeutischen Tätigkeit ab und soll als Orientierung und "Leitplanke" für angemessenes berufliches Handeln der Kolleginnen und Kollegen dienen.
Zu den Berufspflichten gehören z.B. Sorgfaltspflicht, Aufklärungspflicht, Schweigepflicht, das Abstinenzgebot, die Pflicht zur Dokumentation, Qualitätssicherung, usw. Die Berufsordnung wird kontinuierlich weiterentwickelt und den sich verändernden rechtlichen und fachlichen Standards angepasst. Auch aktuell befindet sich die Berufsordnung in einer Revision, um u.a. die Regelungen des Patientenrechtegesetzes mit aufzunehmen. Mögliche Verstöße gegen die Berufsordnung werden von einer Beschwerdekommission geprüft bzw. durch einen Schlichtungsausschuss bearbeitet. Die Mitglieder dieser Gremien sind Kammermitglieder und arbeiten ehrenamtlich. Hier finden Sie die Berufsordnung zum Download.
Sollten Sie Fragen zur Berufsordnung haben, wenden Sie sich gerne an die Kammer. Die Kammer bietet immer wieder Informationsveranstaltungen zu berufsrechtlichen Themen an. Über die nächsten Termine werden wir Sie rechtzeitig informieren. Auf dieser Seite wird auch ein FAQ-Bereich zu berufsrechtlichen Fragen aufgebaut.

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Sie ist um die Erhaltung und Entwicklung des hohen Qualifikationsniveaus der Berufsausübung der Kammermitglieder bemüht. Sie gestaltet und regelt Qualifikationssicherungsmaßnahmen, die Qualitätssicherung sowie die Fort- und Weiterbildung der Mitglieder. Sie kann Zusatzqualifikationen organisieren und bescheinigen.

(Kammersatzung § 2, Abs. 2)
Qualitätssicherung
Um die Mitglieder in psychotherapeutischen Praxen in ihrer Verpflichtung zum Qualitätsmanagement zu unterstützen, entwickelte die PTK Hamburg in einer Arbeitsgruppe zusammen mit den Kammern aus Bremen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein QM-Musterhandbücher. Diese stehen kostenlos auf der Homepage zum Download zur Verfügung und können an die jeweilige Praxisorganisation angepasst werden. Aktuell befinden sich die QM-Musterhandbücher in Überarbeitung, da aufgrund neuer gesetzlicher Bestimmungen Änderungen vorgenommen werden müssen. Darüber hinaus werden auch zusätzliche Bereiche aufgenommen, und die Nutzerfreundlichkeit verbessert. Der Überarbeitungsprozess wird voraussichtlich in 2017 abgeschlossen sein. Auch die Beratung und Information der Kammermitglieder zu berufsrechtlichen Fragen dient der Qualitätssicherung.

Fortbildung
Der ehrenamtlich arbeitende Ausschuss für Fort- und Weiterbildung prüft auf Grundlage der Kriterien in der Fortbildungsordnung Anträge auf Akkreditierung von Fortbildungsveranstaltungen sowie Anträge auf Akkreditierung als SupervisorIn bzw. SelbsterfahrungsleiterIn. Dieses Verfahren stellt sicher, dass die gesetzlich vorgeschriebene Fortbildung der Kammermitglieder auf einem fachlich qualifizierten Niveau stattfindet und den Erfordernissen der vielfältigen psychotherapeutischen Tätigkeitsfelder gerecht wird. Die Kammer bietet auch eigene Fortbildungsveranstaltungen an, z.B. das Curriculum zur Alterspsychotherapie, die Fortbildung zu Akuttraumatisierung und die Hamburger Psychotherapeutentage. Die Kammermitglieder erhalten monatlich einen "FoBi-Newletter" mit den aktuell akkreditierten Veranstaltungen und können ih Fortbildungspunktekonto eigenständig online verwalten. Aktuell steht die Verabschiedung einer Fortbildungsrichtlinie für gutachterliche Tätigkeit auf der Agenda, die der Qualitätssicherung der Sachverständigentätigkeit, z.B. in strafrechtlichen und familienrechtlichen Verfahren, dienen soll.

Weiterbildung
In der Weiterbildungsordnung werden umfassende Qualifizierungen für ein spezielles Gebiet oder für therapeutische Verfahren geregelt. Aktuell sind in der Weiterbildungsordnung die Anforderungen zum Erwerb der Zusatzbezeichnung "Neuropsychologische Therapie" ausgeführt. Mit diesem Zertifikat können Psychologische PsychotherapeutInnen und Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen hirngeschädigte PatientInnen (ICD F 0 -Diagnosen) behandeln und ggfs. Leistungen zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung abrechnen. Aktuell wird in den Kammergremien eine Erweiterung der Weiterbildungsordnung für die Verfahren "Gesprächspsychotherapie" und "Systemische Therapie" diskutiert.

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Sie fördert die Kooperation zwischen Kammermitgliedern und Angehöriger anderer Heilberufe.

(Kammersatzung § 2, Abs. 3)

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Sie kann zusammen mit anderen Heilberufskammern einen Beirat zur gemeinsamen Erörterung der berufsübergreifenden Angelegenheiten bilden, insbesondere im Bereich der Fort- und Weiterbildung.

(Kammersatzung § 2, Abs. 4)
Besonders die Kooperation mit der Ärztekammer (ÄK), d.h. mit den psychotherapeutisch tätigen wie auch mit den somatisch tätigen ärztlichen Kolleginnen und Kollegen ist uns ein Anliegen. Ein formales Gremium, wie z.B. ein Beirat, wurde dafür bislang nicht eingerichtet. Stattdessen gibt es anlassbezogene Treffen der Kammervorstände, der Geschäftsführer oder von speziellen Arbeitsgruppen. Bereits dreimal veranstalteten Ärztekammer und Psychotherapeutenkammer gemeinsam den "Tag der seelischen Gesundheit", in 2017 soll die nächste Veranstaltung aus dieser Reihe folgen. Es ist außerdem geplant, die Internetseiten mit den Fortbildungsangeboten von ÄK und PTK zu verlinken, so dass die Mitglieder beider Kammern schneller darauf zugreifen können. Die gegenseitige Akkreditierung psychotherapeutischer Fortbildungen ist schon lange gute Praxis.

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Sie wirkt auf ein gedeihliches berufliches Verhältnis der Kammermitglieder untereinander hin. Sie schlichtet Streitigkeiten zwischen Kammermitgliedern sowie zwischen Kammermitgliedern und Dritten, die aus der Berufsausübung entstanden sind.

(Kammersatzung § 2, Abs. 5)
Im Heilberufekammergesetz (HmbKGH) ist vorgeschrieben, dass die Kammer für diese Aufgabe einen Schlichtungsausschuss einsetzt. Die Mitglieder werden von der Delegiertenversammlung gewählt und arbeiten ehrenamtlich. Eine ebenfalls von der Delegiertenversammlung beschlossene Schlichtungsordnung bildet die Grundlage für die Arbeit des Schlichtungsausschusses, dessen Mitglieder unabhängig, nicht an Weisungen gebunden und zur Verschwiegenheit verpflichtet sind. Der Schlichtungsausschuss kann direkt von Kammermitgliedern oder von Patientinnen bzw. Patienten ("Dritten") angerufen werden. Er vermittelt und klärt bei Streitpunkten und Konflikten zwischen den Beteiligten und versucht, zu einer für beide Seiten akzeptierten Lösung zu kommen. Auffällig ist, dass sowohl von Kammermitgliedern als auch von Patientinnen bzw. Patienten die Möglichkeit einer Schlichtung nur selten in Anspruch genommen wird. Ob dies an dem geringen Bedarf oder doch eher an dem (noch) zu geringen Bekanntheitsgrad des Schlichtungsverfahrens liegt, ist unklar.

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Auf Verlangen der zuständigen Behörden und Gerichte erstattet die Kammer in allen den Beruf und das Fachgebiet der Kammermitglieder betreffenden Fragen Fachgutachten und benennt Sachverständige. (…)

(Kammersatzung § 2, Abs. 6)
Als Psychotherapeutenkammer ist es uns ein Anliegen, dass die fachliche Expertise unseres Berufsstandes in Bezug auf gutachterliche Tätigkeit von Behörden und Gerichten stärker wahrgenommen wird. Dies ist unseres Erachtens bislang noch nicht ausreichend der Fall. Um Behörden und Gerichten qualifizierte Sachverständige nennen zu können, wurden deshalb in der bundesweiten AG Forensik der Psychotherapeutenkammern, auch unter Mitarbeit eines Hamburger Vertreters, Qualifikationskriterien für eine gutachterliche Tätigkeit in verschiedenen Rechtsgebieten entwickelt. Ausgehend von diesen Kriterien und in Anlehnung an bereits bestehende Richtlinien anderer Kammern wurde in diesem Jahr in der Hamburger Kammer eine Fortbildungsrichtlinie zur gutachterlichen Tätigkeit erarbeitet. Bei Vorliegen der darin aufgeführten Qualifikationsanforderungen können Kammermitglieder in die Sachverständigenliste der Kammer aufgenommen werden, die an Gerichte und andere Stellen weitergegeben werden soll. Die Erarbeitung Fortbildungsrichtlinie befindet sich in den letzten Zügen und und muss im Jahre 2017 von der Delegiertenversammlung und von der Aufsichtsbehörde beschlossen bzw. genehmigt werden. Sobald die Richtlinie verabschiedet wird, werden wir Sie informieren.

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Sie wirkt auf eine angemessene und ausreichende psychotherapeutische Versorgung der Bevölkerung hin und unterstützt Maßnahmen der Prävention und Rehabilitation.

(Kammersatzung, §2, Abs. 7)
Diese in der Kammersatzung festgelegte Aufgabe verstehen wir als Grundlage und Auftrag für unser Engagement in gesundheitspolitischen Fragen und für unsere Mitarbeit in Gremien und Organisationen des Gesundheitswesens.

So ist die Kammer Mitglied in der von der Gesundheitssenatorin geleiteten Landeskonferenz Versorgung, in der alle wichtigen Hamburger Akteurinnen und Akteure im Gesundheitswesen zusammen kommen. Als PTK bringen wir dort die Perspektive der Versorgung psychisch kranker Menschen ein.

Die PTK Hamburg ist außerdem Mitglied im Vorstand der Hamburgischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung (HAG) und Kooperationspartnerin im Pakt für Prävention. Auch im Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention setzen wir uns für die Förderung psychischer Gesundheit ein. Insofern ist es erfreulich, dass in den gerade stattgefundenen ExpertInnenrunden zu den Themen "Gesund aufwachsen in Hamburg", "Gesund leben und arbeiten in Hamburg" sowie "Gesund alt werden in Hamburg" als wichtiges übergeordnetes Ziel das psychosoziale Wohlbefinden vereinbart wurde. Präventionsprojekte in Kita, Schule, Betrieb und Quartier, die im kommenden Jahr gefördert werden sollen, sollen diese Zielsetzung verfolgen.

Für eine angemessene und ausreichende psychotherapeutische Versorgung in Hamburg setzen wir uns natürlich auch in vielen Veranstaltungen und Gesprächen ein und versuchen, in Kooperation mit anderen Organisationen dieses Ziel aktiv voranzubringen. Die Unterstützung eines Antrags zur Finanzierung eines Dolmetscherfonds für die psychotherapeutische Behandlung geflüchteter und migrierter Menschen gehört ebenso dazu wie die Kooperation mit der KV Hamburg bei der Durchführung einer Informationsveranstaltung zur Reform der Psychotherapie-Richtlinie.

Da viele Entscheidungen zur gesundheitlichen Versorgung auf Bundesebene fallen, ist hier die von allen Landeskammern getragene Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) in Berlin aktiv. Die BPtK hat mittlerweile in vielen Verfahren der Gesundheits- und Sozialgesetzgebung im Bundestag ein Recht zur Stellungnahme und zur Anhörung wie auch bei den Beschlüssen des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) und stimmt diese eng mit den Landeskammern ab.

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Sie fördert Forschung und Innovation in der Psychotherapie sowie deren Weiterentwicklung auf wissenschaftlicher Grundlage mit dem Ziel der Verbesserung der psychischen Gesundheit der Bevölkerung.

(Kammersatzung, §2, Abs. 8)
Die Förderung einer breit angelegten Psychotherapieforschung ist ein wichtiges Thema für unsere Profession, um eine wissenschaftlich fundierte Begründung und Weiterentwicklung psychotherapeutischer Verfahren und Methoden zu gewährleisten. Die Psychotherapeutenkammer unterstützt deshalb insbesondere ausgewählte Forschungsprojekte und Versorgungsmodelle und arbeitet ggfs. als Kooperationspartnerin bei deren Konzeption und Umsetzung mit. Aktuell ist die Kammer am Projekt "RECOVER - Modell einer sektorenübergreifend-koordinierten, schweregradgestuften, evidenzbasierten Versorgung psychischer Erkrankungen", das durch den Innovationsfonds gefördert wird, als Kooperationspartnerin beteiligt. Um unsere Kammermitgliedern über externe Forschungsvorhaben im Bereich der Psychotherapie zu informieren, haben wir auf unserer Homepage eine Rubrik "Forschungsvorhaben" eingerichtet (siehe auch Hinweis in diesem Newsletter). Kolleginnen und Kollegen, die Interesse haben, sich an wissenschaftlichen Studien zu beteiligen, bekommen hier über eine Verlinkung Zugang zu den Projektinformationen und Fragebögen.

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Sie fördert die Zusammenarbeit der Kammermitglieder mit Patientenvertretungen und Selbsthilfereinrichtungen.

(Kammersatzung, §2, Abs. 10)
Der Kammervorstand führte in den vergangenen Jahren Gespräche u.a. mit der Verbraucherzentrale Hamburg und der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD), um über die Beratungsanliegen von Ratsuchenden mit psychischen Erkrankungen zu sprechen. Weiterhin nahmen Vorstandsmitglieder an Veranstaltungen zu Fragen der Inklusion und Barrierefreiheit teil. U.a. in der Hamburgischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung (HAG) und in der Landeskonferenz Versorgung arbeitet die PTK Hamburg mit Vertreterinnen und Vertretern von Patientenorganisationen und Selbsthilfeorganisationen, z.B. KISS, zusammen.

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